Spielemesse 2013 in Essen – Kühe, Bären und immer wieder Liebesbriefe

Viele der bisher veröffentlichten Berichte über die „Spiel '13“ in Essen beweisen es: Ein seriöser Schreiber beginnt mit dem Hinweis auf die neuen Hallen, in die die Aussteller und Besucher dieses Jahr wegen Umbauarbeiten ausweichen mussten.

Loveletter
Ich hasse es, wenn sich Leute
hinter ihren Zofen verstecken.

Da wir von Boardhunter jedoch keine seriösen Schreiber sind, lassen wir das Vorgeplänkel und kommen gleich zur wichtigsten Mitteilung: Zwei Drittklässler kegeln mich bei Love Letter in der zweiten Runde raus, sie entziffern mit viel Mühe den Text der Wächterin und erraten dann noch gegen alle Wahrscheinlichkeit den auf meiner Hand befindlichen König. Dabei sollte doch längst bekannt sein, dass es die angenehme Pflicht eines jeden Messebesuchers ist, vorlaute Bengel durch überwältigende Triumphe zu desillusionieren und damit auf spätere Niederlagen im Leben vorzubereiten.

Klaus Teuber
Jacket abgelegt?
Na, dann kann's ja losgehen.
 

Das Positive an dieser Anekdote: Wir haben hier überhaupt Plätze an einem Spieltisch bekommen, was leider viel zu selten der Fall ist – zumindest Wochenendbesucher wie wir müssen dafür im Regelfall ein strapazierfähiges Maß an Geduld mitbringen. Vergleichsweise entspannt fühlt sich dagegen die Signierstunde mit Catan-Gott Klaus Teuber an, der sich sogar die Zeit nimmt, den Namen einer chinesischen Freundin Jens' in originalen Schriftzeichen zu verfassen. Auch wenn er sich – aus unbegründetem Zweifel an seinen künstlerischen Fähigkeiten – erst ein wenig ziert. Aber der Klaus, der liebt halt seine Fans.

Ebenfalls mit seiner Anwesenheit beehrt uns Klaus-Jürgen Wrede, der bekannte Spieleautor mit einer schier endlosen Ludografie: Carcassonne, Carcassonne – die erste Erweiterung, Carcassonne – die erste Mini-Erweiterung, Carcassonne – Winteredition, Carcassonne – Südsee usw. etc. pp. Hoppla, das klingt doch nicht etwa zynisch? Was Klaus darf, darf Klaus-Jürgen erst recht, nämlich Erfolgskühe zu melken, bis die Milch sauer wird. Und die auf der Messe stattfindende Carcassonne-WM beweist ja, dass das kleine raffinierte Legespiel eine ungebrochene internationale Strahlkraft besitzt. Enttäuschend ist lediglich der geringe Nerd-Faktor des griechischen Turniersiegers.

Messe-Lock-Angebots-Deal
Nehmen Sie Tor 3 oder die Überraschung
in der Kiste?

Was macht man auf der Spiel sonst noch außer zu spielen und beim Spielen zuzuschauen? Richtig, kaufen und beim Kaufen zuschauen. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die Schnäppchenpreise des Heidelberger Spieleverlags; überall auf der Messe begegnet man den gelb-blauen Plastiktaschen der Heidelbären, passend zu ihren LCG-Übersetzungen stilecht mit Kommafehler. Zwei Klischees haben sie jedoch souverän widerlegt: Erstens tragen nicht alle, sondern nur 80% der männlichen Mitarbeiter Glatze und Bart, zweitens verramscht ironischerweise gerade der Verlag mit dem liebevoll gepflegten Anarcho-Image unzählige Spiele in einer Discounteratmosphäre, die den benachbarten Stand von Galeria Kaufhof wie einen gemütlichen Tante-Emma-Laden wirken lässt. Das ist irritierend, aber nicht irritierend genug, um mich vom Abschluss eines „total irrsinnigen Messe-Lock-Angebots-Deals“ abzubringen, der mir einen 25-Euro-Gutschein zum Erwerb der ersten Nightmare-Decks für das Herr-der-Ringe-Kartenspiel einbringt. Die Spinnen vom Düsterwald müssen schließlich baldmöglichst erfahren, was für harte Hunde wir sind.

Pegasus
Zum Frauenbild von Pegasus hätte Alice
Schwarzer sicherlich einiges zu sagen.




Trotz der Love-Letter-Affäre überzeugt uns der Pegasus-Stand insgesamt am meisten, sowohl was die Qualität der Spiele als auch der aufmerksamen Supporter angeht, die uns jede Frage von den Augen ablesen. Und für unsichere Menschen wie mich ist es ein wunderbarer Service, wenn der Verkäufer bei jedem Punkt meiner Einkaufsliste bestätigt, was für ein tolles Spiel ich gerade erwerbe. Nachdem er mir auf Grund der Länge dieser Liste noch 5% Rabatt gewährt hat, komme ich mir außerdem wie ein richtig cleverer Geschäftsmann vor.

Mit nach Hause gebracht haben wir also angenehme Erinnerungen und zwei prall gefüllte Taschen voller Spiele. Viele Fragen harren nun einer Beantwortung: Hat uns Kosmos mit dem zweiten Hobbit-Spiel zum Film nur einen müden Abklatsch des ersten untergejubelt? Kann das Love-Letter-Trauma durch eine Rezension verarbeitet werden? Und was sagt eigentlich Robinson Crusoe dazu? Dies und vieles mehr erfahrt ihr in den nächsten Wochen auf boardhunter.de!

Weitere Bilder sind in unserer Galerie zu finden.