Warhammer Invasion am 24.11.13 in Würzburg – Wurrzag gegen den Rest der Alten Welt

Nach dem schwarzen Dienstag macht sich so mancher Warhammer-Invasion-Fan Sorgen um die Zukunft seines Lieblingsspiels. Ohne ein weitgereister Kenner aller deutschen Communitys zu sein: Müsste ich eine lokale Invasion-Szene benennen, der ich unter diesen neuen Umständen die größten Überlebenschancen einräume, fiele meine Wahl auf Würzburg. Ganz einfach auf Grund des hohen Anteils von Spielern, die das kompetitive Element als Nebensache betrachten und stattdessen nur einen spaßigen Sonntag erleben wollen – und sich so auch beim Deckbau mitunter an die Devise „Form vor Funktion“ halten. Natürlich abgesehen von gewissen überehrgeizigen Auswärtigen, die mit altbekannten Wurrzag-Decks wieder mal nur die Gewinngutscheine abgreifen wollen.

Snotling Invasion
Wie die kleinen Kinder: Snotlinge sind süß, aber lästig.

So etwa beim letzten Würzburger Turnier am 24. November mit erfreulichen 14 Teilnehmern. Immerhin hat meine Kreativität gerade noch ausgereicht, die Vorgängerversion meines Decks um drei Kopien der nach FAQ 2.2 nicht mehr einzigartigen Snotling Invasion zu erweitern und dafür die teuren, aber nicht unbedingt nötigen Karten Da Immortulz, Bloodthirster und Raise Dead auf die Ersatzbank zu schieben. Dass mit der neuen Erweiterung Hidden Kingdoms weitere Änderungen nötig werden, zeigt sich allein schon am vieldiskutierten Corb Polybog, der mit der Trollkotze die einzige zuverlässige Möglichkeit der Einheitenbeseitigung sperren könnte und somit zu Alternativen wie Smash ’Em! oder Wolf Gobbos zwingt. Oder ich baue selbst ein Deck mit Corb Polybog und bringe meinen Ork-Gegner aus der Fassung, indem ich beim Ausspielen die Arrer Boyz benenne – mit einem solch unerwarteten Schachzug kann man selbst den gewieftesten Kontrahenten auf dem falschen Fuß treffen.

Doch zurück zur Sache: Meine Orks durften sich in Würzburg mit einer sehr bunten Gegnerschaft auseinandersetzen, fünf verschiedene Völker in fünf Runden, und dass gerade das Duell mit den Dunkelelfen ausfiel, löste keine übermäßige Trauer aus. Das auf Wurrzag ausgerichtete Deck kann durch Handdiscard in echte Bedrängnis gebracht werden, allerdings auch durch guten alten Rush, wie die zweite Runde gegen Katharinas Brayherd-Deck beweist. Statt des sonst beliebten Sorcerer of Tzeentch nutzt sie als restricted card die auf eine Kopie beschränkte Taktik End Times, die ihr im ersten Spiel auch prompt den Sieg einbringt: Nachdem ich eine erste Angriffswelle durch Trollkotze abgewehrt habe, läutet sie das Zeitenende ein und versammelt in ihrem Schlachtfeld Bloodthirster, Savage Forsakens und anderes Gezücht, gegen das meine beiden Goblin Raiders etwas blass aussehen. Im zweiten Spiel kann ich dank Get Outta My Way zwar einige Runden durchhalten, aber mein eigener Aufbau geht nicht schnell genug voran, um dauerhaft gegen die aggressiven Fledermäuse und Ghorgons zu bestehen – Ergebnis: 0:2.

Besser zurecht komme ich gegen die anderen, etwas langsameren Decks, die mir oftmals die nötige Zeit geben, um die in der jeweiligen Situation wichtigen Karten wie Trollkotze oder Mork’s Teef Ritual samt Grimgor zu ziehen und dadurch den bereits fortgeschrittenen Aufbau des Gegners wieder zurückzusetzen. Auch Pillage erfüllt häufig seinen Zweck, großzügig finanziert durch die Goblin Raiders Company oder Wurrzag himself. Gerade die Supportzerstörung legt den Grundstein zum 2:0-Erfolg in der ersten Runde gegen das Hochelfendeck Fabians, der teure Karten wie den Temple of Vaul ins Königreich legt, um schnell an die sechs Ressourcen für Eltharion zu kommen. Grimgor erweist sich jedoch als Spielverderber und verhindert dadurch, dass der indirekte Schaden der Lothern Sea Master, unterstützt vom Outpost of Tiranoc, allzu beunruhigende Ausmaße annimmt.

In der dritten Runde treffe ich auf Petras Odd-Deck, das unfreundlicherweise mit dem Night Goblin Fanatic ständig meine kleinen Einheiten im Schlachtfeld meuchelt, aber an Meister Wurrzag nicht so leicht herankommt. Diesem gelingt – zum einzigen Mal in diesem Turnier – sogar ein abschließender Doppelangriff über die Missionsquest Da Great Waaagh! – auch hier ein 2:0.

Die Runden vier und fünf beweisen indes, dass Wurrzag nicht nur feste draufhauen, sondern auch eine geradezu demoralisierende Wirkung ausüben kann – alle vier Spiele enden relativ schnell durch Aufgabe des Gegners. Michaels Imperium-Deck hält sich zunächst mit Hilfe eines zwischen Königreich und Quest herumkutschierenden Knights Panther über Wasser, doch trotz des gefürchteten Infiltrate bekomme ich genug Karten auf die Hand, um seinen weiteren Aufbau zum richtigen Zeitpunkt durch Grimgor oder Trollkotze zurückzuwerfen – 2:0.

Da ich durch Scouting, ääh, durch interessiertes Zuschauen bereits mitbekommen habe, dass mein letzter Kontrahent Torsten ein Zwergendeck mit vielen Grudge-Karten spielt, nehme ich mir fest vor, nach Möglichkeit nicht mit einer einzelnen kleinen Einheit anzugreifen und somit das kostenlose Ausspielen mehrerer gegnerischer Supports zu riskieren. Eine meiner ersten Aktionen im Match besteht natürlich darin, mit meinem Goblin Raider einen einzigen Schaden in der Questzone zu machen, und plötzlich sitzen alle drei Grudges direkt vor meiner Nase im Schlachtfeld. Was ich nicht im Kopf habe, hat Grimgor in den Fäusten, und als ich ihn mit Hilfe des Rituals und der Raider-Ressourcen ins Spiel bringe, ist die Welt wieder in Ordnung. In der zweiten Partie dürfen die Snotlinge zeigen, was sie drauf haben, und in der durch Trollkotze leergefegten Hauptstadt erweisen sie sich als eine Spur zu lästig.

Durch den 2:0-Sieg erobern meine Orks in letzter Minute die Tabellenspitze, mit nur einem gewonnenen Spiel Vorsprung, und bringen von ihrem Würzburger Plünderzug sowohl einen Gutschein für Hermkes Romanboutique als auch die mir bisher fehlende dritte Kopie des alternativen Blutdrachenritters mit. Und woran lag’s? Am Kartenziehen. Oft konnte ich früh mit dem Valley of Many Eyes die Grundversorgung sichern, den Rest erledigte die in diesem Deck sehr effektive Taktik Get ’Em Ladz. Dank ihr kam es mehr als einmal vor, dass beispielsweise ein durch Warpstone Experiments unterstützter Angriff nicht nur enormen Schaden machte, sondern auch eine enorme Menge an Handkarten einbrachte – und unter diesen war dann gerade das benötigte Exemplar von Grimgor oder dem Ritual, um den warpsteinverseuchten Spider Rider vor seinem Ableben noch schnell durch unseren hart zupackenden Freund Eisenpelz zu ersetzen.

Der Besuch in Würzburg hat sich also wieder einmal gelohnt – nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern auch wegen der guten Stimmung, von der Torsten in seinem Bericht einen anschaulichen Eindruck vermittelt. Ihm sei auch für seinen wie üblich souveränen Einsatz als Turnierleiter und Schiedsrichter gedankt, ebenso Gerd für das Sponsern der Preise und natürlich allen Teilnehmern für die fairen und unterhaltsamen Partien. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass dies nicht mein letzter Bericht zu einem Würzburger Invasion-Turnier gewesen ist – allen schwarzen Dienstagen zum Trotz.