Warhammer Invasion am 26.04.14 in Würzburg – Experimente im Verborgenen

Wer immer diese verborgenen Königreiche verborgen hat, hat seinen Job verdammt gut gemacht. Die deutsche Fassung von „Hidden Kingdoms“ – der finalen Warhammer-Invasion-Erweiterung – ist auch über fünf Monate nach Erscheinen des Originals noch nicht in den Verkaufsregalen entdeckt worden; und um zu verhindern, dass wir alle selbst zu wandelnden Untoten werden, bevor wir mit deren Karten spielen können, haben die Würzburger bei ihrem jüngsten Turnier am 26. April die Benutzung der englischen HK-Karten erlaubt.

Wer allerdings dem deutschen Publisher die Schuld für diese Verspätung in die Schuhe schieben möchte, entlarvt sich wieder einmal als einer jener unverbesserlichen Querulanten, die die wahren Absichten des Heidelberger Spieleverlags verkennen: Während in anderen Ländern die letzte Erweiterung schon seit Monaten auf dem Markt ist, die Meta stillsteht und die Fans ob des fehlenden Kartennachschubs in tiefe Depressionen verfallen, sind wir in Deutschland noch mittendrin und fiebern den verborgenen Königreichen entgegen, als hätte es die Schreckensbotschaft von der Einstellung unseres Lieblings-LCG nie gegeben. Danke, Heidelbären. Das wäre aber doch nun wirklich nicht nötig gewesen.

Ganz schön hinterhältig: der Schattenkönig in Aktion

Für mich blieb nur noch die übliche Frage: Welches Deck? Damit die Jungs in Würzburg nicht sofort merken, was für ein langweiliger Spießer ich eigentlich bin, lasse ich das bewährte Wurrzag-Deck zu Hause und gebe mich ganz experimentierfreudig: Zum ersten Mal in meinem Turnierleben spiele ich eine Ordnungsfraktion, ein Hochelfendeck mit der ebenfalls immer ganz gut verborgenen Legende Alith Anar. Sooo experimentierfreudig also dann doch wieder nicht. Allerdings bietet sich dadurch die Gelegenheit, einige verlockende Karten aus der hier erstmals zugelassenen Fan-Erweiterung „Death Night“ (foreverwar.de) auszuprobieren: Das die Textbox von Hilfskarten auslöschende Seal of Negation stellt eine günstige Alternative zu den Supportzerstörern Demolition (zu teuer) und Burn it down (immer zu wenig Entwicklungen im Schlachtfeld) dar, während die Wall of Clouds dem Loec-Magier ein wenig unter die Arme greifen und immer wieder für erfreuliche Frustrationserlebnisse beim Gegner sorgen kann. Im Übrigen läuft das Deck ziemlich geradlinig. Erstmal schön die Questzone ausbauen, um möglichst schnell den besagten Cancel-Gott Mage of Loec sowie die immer wieder neue Ambush-Einheiten hervorzaubernde Legende Alith Anar zu ziehen. Liegen beide Karten aus, stehen die Chancen gut, dass bald ein von Flammen gereinigter und mit den Elfenwaldläufern reitender Seemeister den Kontrahenten mit indirektem Schaden überflutet.

Schon vor Turnierbeginn hätte nur ein flüchtiger Blick auf die Decks meiner fünf Mitstreiter die ersten Zweifel wecken können, ob das alles wirklich so eine gute Idee war. Während ich auf viele teure Taktiken gehofft hatte, die man mit dem Magier oder Wall of Clouds leicht abwehren kann, setzten die gegnerischen Rush-Decks eher auf rohe Gewalt und waren oftmals den entscheidenden Tick schneller. Relativ ausgeglichen verläuft noch die erste Runde gegen Torstens Star-Dragon-Deck: Die meiste Zeit sind wir damit beschäftigt, Aktionen zu canceln. Oder das Canceln zu canceln. Oder das Canceln des Cancelns zu canceln. Am Ende setzt sich mal der indirekte Schaden der Seemeister durch (1. Partie), mal verwüsten gleich zwei billig gespielte Sternendrachen meine Hauptstadt (2. Partie), und im 3. Spiel verhindert beim Stand von 1:1 das Zeitlimit eine endgültige Entscheidung. Wohl etwas zu viel abgecancelt.

Dann kommt der hässliche Teil, den meine zarte Elfenseele lieber verdrängen möchte. Erst das Brayherd-Deck von Thomas: In der ersten Partie brennt bald mein Schlachtfeld und ich muss mich heftiger Angriffe auf mein Königreich erwehren, das mehrere Runden mit sieben Schaden kurz vor der Zerstörung steht. Als ich schließlich – eine einzige Karte vor dem Decktod – doch noch zumachen kann, ist mein Glück erstmal aufgebraucht. Das Match endet mit einem Last-Minute-Sieg Thomas’, der in seinem letzten Zug sowohl mein Schlachtfeld überrennt als auch meinem Königreich durch Unleashing the Spell punktgenau den Rest gibt. Was lernen wir daraus? Selbst gegen Rush-Decks kann man nie genug Canceler haben.

Ähnliches lässt sich vom Kampf gegen Peters Orks berichten, die mit Hilfe der Big Guns schnell einigen Druck aufbauen und immer wieder hinter der Unending Horde hervorpreschen. Zwar bringt die spontane Idee, die einzigartige Quest Da Great Waaagh! gleichzeitig in drei verschiedene Zonen zu spielen, gewisse regeltechnische Schwierigkeiten mit sich, doch auch ein einzelnes Exemplar reicht schließlich für den 2:1-Erfolg der Orks völlig aus.

Kurzes Durchatmen ist im Match gegen Michaels altbekannte Imperiumstruppe angesagt, ein mit der Foreverwar-Karte Valiant Squire verstärktes Krieger-Deck. Obwohl auch dieses Rush-Elemente besitzt, läuft es hier für mich besser: Sigmarkirche und Zoo geben dankbare Ziele für das Seal of Negation ab, die Menschenansammlungen im gegnerischen Schlachtfeld bleiben mit Hilfe von Judgement of Loec und Reprimand überschaubar, während Karten wie Wall of Clouds meinen Kontrahenten einige Aktionen und Nerven kosten. Hier behalten die Hochelfen mit 2:0 die Oberhand.

Fehlt noch die letzte Runde gegen den Führenden Maik, der nicht nur wie üblich ein kreatives, sondern diesmal erschreckenderweise auch noch ein erfolgreiches Deck gebastelt hat, Untote mit Chaos-Einsprengseln. Es kommt, wie es kommen muss: Für jede Aktion der Fledermäuse eine Quest des Magiers abzuwerfen, wird auf Dauer nervig; und dass ein Dark Acolyte schon mal eine halbe Zone im Alleingang niederreißt, lässt sich gar nicht erst durch Zauberkraft verhindern. Die erste Partie ist zu Ende, bevor mein Gegner überhaupt merkt, dass es in meinem Deck um indirekten Schaden geht – durch diesen entscheidenden Überraschungseffekt gelingt mir der Ausgleich, bevor Maik die Verhältnisse wieder zurechtrückt und mit einem 2:1 die Goldmedaille sichert. Herzlichen Glückwunsch!

Turniersieger Maik (links) – so überlegen, dass er nebenbei noch seine anderen Decks testen kann.          

Wer sich für die Abschlusstabelle und weitere Turniereindrücke interessiert, sei auf den Bericht Torstens verwiesen, der hinsichtlich Platzierung und moralischer Integrität der Teilnehmer keine Fragen offen lässt. Übrigens sehr schön, dass selbiger neben Podcast, Fanerweiterung und Regelguruismus immer noch Zeit für die Organisation und Leitung der Würzburger Turniere findet – dafür gebühren ihm Dank und herzliche Grüße vom Phönixkönig. Und da ja – wie wir inzwischen aus sicherer Quelle wissen – sein Warhammer-Engagement nur der Vermehrung des eigenen Ruhmes und der Aufpäppelung seines Egos dient, wollen wir ihm auch ganz besonders feste auf die Schulter klopfen.

Mir bleibt am Ende ein ausbaufähiger fünfter Platz, auch wenn die Gesamtbilanz der Einzelpartien mit 6:7 noch ganz moderat ausfällt, gerade angesichts der beschriebenen Rush-Dominanz. Insgesamt haben dem Deck jedoch einige Karten gefehlt, die in solchen eher ungünstigen Konstellationen seine Anfälligkeit etwas verringern; beispielsweise hätten Ilthilmars Pfeile gegen Orks und Chaos sicherlich das eine oder andere lohnende Ziel gefunden. Aber bis zum nächsten Turnier muss ich ja ohnehin ein ganz neues Deck zusammenzimmern, um weiterhin der Welt meine legendäre Experimentierfreudigkeit unter Beweis zu stellen. Und ich glaube, in diesem Fall tue ich das auch ganz gerne.