Warhammer Invasion am 21.12.14 in Würzburg - Draften für die Völkerverständigung

Die Zeitenwende ist angebrochen, die letzten Warhammer-Invasion-Bastionen fallen. Doch ein kleines fränkisches Dorf namens Würzburg leistet noch immer erbitterten Widerstand und versammelt jeden Monat unbeugsame Streiter für die Götter der alten Welt. Fünf von ihnen haben sich am heidnischen 4. Adventssonntag im „Cafe Klug“ getroffen, um auf die wahre Bedeutung des Weihnachtsfestes hinzuweisen: Hauptstädte zu plündern und sich gegenseitig die Nasen blutig zu schlagen. Schließlich hat ja auch Jesus seinen Widersachern mit der Peitsche eine in die Fresse gehauen.

Die gefürchtete Tempel-Kessel-Banna-Runen-Kombo (TKBR)
 

Ein wenig besinnlicher als sonst soll es aber dann doch zugehen, denn mit dem „Draft“ steht eine vergleichsweise langsame Variante auf dem Programm, bei der jeder Teilnehmer erst kurz vor dem Turnier sein Deck unter gewissen Zufallselementen zusammenstellt. Insgesamt 300 Karten von sämtlichen Fraktionen werden zusammengemischt und nacheinander aufgedeckt; der erste Spieler nimmt sich eine von fünf ausliegenden Karten, dann – nachdem jeder verbleibenden Karte eine weitere hinzugefügt worden ist – sucht sich der nächste einen der Stapel aus, bis schließlich für den letzten Spieler nur noch einziger Stack von fünf Karten übrig bleibt. Nun wird das Ganze in umgekehrter Reihenfolge wiederholt, sodass nach insgesamt zehn Durchgängen jeder ein Deck von 60 Karten vor sich liegen hat, das er dann noch auf den üblichen 50er-Standard zusammenstutzen darf. Bei mir kommt am Ende so etwas dabei heraus (man beachte die vernichtenden Counterstrike-Synergien): https://deckbox.org/sets/861768.

Die Karten kosten so viele Ressourcen, dass manche ihre Salamipizza ins Königreich spielen müssen.

Als kleine Entwicklungshilfe steht den Spielern von Beginn an ein Loyalitätssymbol jeder Fraktion und zudem in der ersten Runde ein Startguthaben von vier statt drei Ressourcen zur Verfügung. Da solche leicht exotischen Decks dennoch ziemlich langsam laufen und die eher unbekannten Karten auch die eine oder andere Regelfrage aufwerfen, einigen wir uns darauf, statt des üblichen „Best-of-3“ nur jeweils eine Partie pro Runde anzusetzen. Und mitunter füllt sogar diese allein das einstündige Zeitlimit vollständig aus – insbesondere dann, wenn beiden Spielern die nötigen Karten zur Entwicklung fehlen. Trifft dieses Schicksal nur einen der Kontrahenten, kann es auch deutlich schneller gehen: Beispielsweise treffe ich bei meiner Niederlage gegen den späteren Turniersieger Julian auf ein erstaunlich solides Imperiumsgemisch, das zeitweise zuverlässiger zu laufen scheint als so einige meiner regulären Decks. Wie aus dem Lehrbuch schieben Shallya-Tempel und Rally Point immer wieder Einheiten umher, die je nach Bedarf beim Aufbau aushelfen oder im Schlachtfeld mit Hilfe der Barbed Whip meine 1-HP-Schwächlinge ausradieren. Aber schon ok, schließlich hat ja auch Jesus seinen Widersachern mit der Peitsche eine in die Fresse gehauen.

Die alten Bündnisse: Zwerg, Goblin und Mensch
eilen zur Rettung der Skavenhauptstadt.

Unter umgekehrten Vorzeichen verläuft das Match gegen Torsten, der nur wenig brauchbare Karten zieht, während sich meine Zonen diesmal recht zügig entwickeln. Als ich voller Grundset-Nostalgie Eisenfausts Horde ausspiele und die dann auch ziemlich unbehelligt wüten kann, reicht das zum Sieg. Doch nicht nur Erinnerungen an die Karten des Grundsets, sondern auch an die Spielweisen aus früheren Tagen steigen auf: Weil die gedrafteten Decks im Vergleich zu den kompetitiven insgesamt teurere Karten enthalten, erlebt in unserem Turnier der exzessive Ausbau der Königreichzone – sonst gern als Anfängerfehler verschrien – eine neue Blütezeit. Besonders deutlich zeigt sich dies in meiner Partie gegen Fabian, dessen Questzone ich durch diversen direkten Schaden auf zwei Macht herunterdrücken kann, während sein Königreich in der letzten Runde volle 17 Ressourcen abwirft. Und da er bereits zuvor einige Handkarten angesammelt hat, reicht dies dann auch für den entscheidenden Schlag locker aus.      

Zusammen mit dem mühsam erkämpften Sieg gegen Simon ergibt dies für mich eine neutrale Bilanz von 2:2, punktgleich mit Fabian und Simon, hinter Julian mit 3:1 und vor Torsten mit 1:3. Danke an alle Beteiligten für dieses angenehme und im Ganzen recht ausgeglichene Turnier, wo jeder gegen jeden hätte gewinnen können – nicht zuletzt aufgrund des hohen Glücksfaktors, der die allgemeine Begeisterung für das neue Format auch ein wenig gedämpft hat. Insbesondere bei der Zusammenstellung der Decks hält sich der Einfluss der Spieler in engen Grenzen, und selbst wenn man sich einige nette Kombinationen und Synergien sichern kann, lässt sich bei einem aus vielen Fraktionen zusammengewürfelten Deck aus lauter Einzelkarten kaum so etwas wie Konsistenz erwarten. Zumal, wenn es vor allem aus solchen besteht, die man wohl aus guten Gründen nur selten auf Turnieren sieht. Andererseits machen genau dieses Entdecken und Wiederentdecken sonst vernachlässigter Karten zum großen Teil den Reiz des Draftformats aus, das immer aufs Neue kuriose Situationen und ungeahnte Aha-Erlebnisse herbeizaubert. Es dürfte sich jedenfalls lohnen, in dieser Richtung weiterzuexperimentieren und verschiedene Variationen im Kartenpool oder bei der Deckzusammenstellung auszutesten. Also: Bis zum nächsten Mal im kleinen fränkischen Dorf.

Weitere Fotos in unserer Galerie.

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